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5.1.2017

Abfallkalender 2017

 

 

 

 

 


 

Merode *1174

Ein Überblick über die komplette Geschichte von Merode

Die Zeit vor Merode

Kurz vor ca. 100 v. Chr. gelangen Teile des germanischen Stammes der Kimbern in unsere Region. Dem folgen um ca. 100 n. Chr. Angehörige des westgermanischen Stammes der Sunuker. Diese kleingermanischen Stämme leben in unserer Region unter der Herrschaft der römischen Besatzer. Im Raum zwischen Köln und Aachen entwickelt sich eine relativ dichte, durch Straßen und Wasserwege gut erschlossene, wirtschaftlich effiziente Siedlungsregion aus. In dieser Zeit, um ca. 200 n. Chr., bestehen zwei kleinere römische Siedlungsstellen, kleinere Bauernhöfe, im Bereich des heutigen Merode. Ab Mitte des 3. Jahrhunderts n.Chr. tritt eine Krisenzeit ein. Eine Art Klimawandel lässt das Wachstum der Feldfrüchte verlangsamen, der Wald ist wegen übermäßigen Holzverbrauchs erschöpft und auch die Erzvorkommen sind immer schwieriger abzubauen. All dies lässt die Bevölkerung
in der Region schrumpfen. Germanisch-Fränkische Einfälle in die Region häufen sich.
Schließlich schließen sich während des 4. Jhd. die kleineren westgermanischen Stämme zum germanischen Großstamm der Franken zusammen. König Chlodwig I. formt daraus um 500 eine Großmacht. 843 wird das Reich geteilt, es entstehen Frankreich und Deutschland
(Ostfrankenreich, später das Hl. Röm. Reich dt. Nation). Der Kaiser des Hl. Röm. Reichs, Barbarossa, ist es, der 1170 Werner I. den Auftrag gibt im Wald der Voreifel eine Burg zu bauen.

1170, im März - Gründung von Merode

Barbarossa, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, belehnt Werner von Kerpen mit dem Hof zu Echtz und gebietet ihm im nahe gelegenen Wald eine Burg zu erbauen wohl um eine stärkere Präsenz der Reichsgewalt in der Reichsvogtei Aachen, der königlichen Villa in Düren und insbesondere an der Aachen-Frankfurter Heerstraße zu erreichen. Die Heerstraße führt mitten durch die Herrschaft Merode. Werner nennt sich bereits 1174 nach dieser Burg auf der Rodung, Werner de me Rode. Die Burg ist die Keimzelle des Dorfes Merode. Sie bietet den Bewohnern aber nicht nur Schutz, sondern zieht auch immer wieder fremde Truppen nach Merode.

1340 - Erscheinung des Apostel Matthias

Südansicht der Anlage, wahrscheinlich 17./18. Jahrhundert
Südansicht der Anlage, wahrscheinlich 17./18. Jahrhundert

„Während einer Jagdpause in seinem Wald erscheint dem Werner von Merode der hl. Matthias, der ihn auffordert an jener Stelle ein Kloster für die Kreuzherren zu bauen…“ Soweit die Sage! Dennoch, am 16. Februar 1340 erhält Werner vom Erzbischof vom Köln die Erlaubnis das Kloster zu bauen. Er stattet es mit umfangreichen Stiftungen aus und fortan ist es als Kloster Schwarzenbroich bekannt. Über die Jahrhunderte wird es umgebaut, niedergebrannt und wiederaufgebaut, ehe Napoleon es 1802 auflöst. Danach werden die Gebäude industriell genutzt, ehe es 1835 niederbrennt und seitdem dem Verfall ausgesetzt ist. Heute ist es nur noch eine Ruine. In Erinnerung an die Kreuzherren ist die Inschrift des Altars am Handorn der Wahlspruch der Kreuzherren - In Cruce Salus! Der flandrische Schnitzaltar (von 1520) und weiteres Mobiliar in der Langerweher neuen Kirche entstammt dem Kloster.

1362, im Sommer - Familienfehde

Mittelalterliches Geschoss, gefunden in Merode
Mittelalterliches Geschoss, gefunden in Merode

Burg und Herrschaft Merode sind 1294 zwischen Johann I. Scheiffart von Merode und Werner IV. von Merode geteilt worden. 1336 wird Merode aus der Lehnshoheit des Kaisers in die Lehnsherrschaft des Grafen von Jülich übergeben, was die Herren von Merode aber nur partiell anerkennen. Im Sommer 1362 kommt es zum Streit zwischen den Erben Konrad von Merode und Rikalt I. von Merode. Als Konrad seinen Vetter Rikalt gefangen nimmt, kommt der Herzog von Jülich Rikalt zur Hilfe, nimmt die Burg nach einer Belagerung ein und zerstört
die Konrad gehörenden Gebäude. Aus dieser Zeit haben sich bis heute noch einige Blidensteine, die Geschosse aus den Schleudern, in Merode erhalten. Vom 23 kg Leichtgewicht bis zu einem Riesen, der 40 cm im Durchmesser misst und 71 kg schwer ist.
Konrad wird seiner Rechte an Merode enthoben und für 6000 alte Goldschilde kann Rikalt diese Hälfte am 15. August 1362 kaufen und zu Lehen nehmen. Der Streit um Konrads Rechte wird erst 1380 beigelegt und Konrad damit rehabilitiert. 1398 und 1408 werden Konrads Söhne schließlich für ihren endgültigen Verzicht auf Merode entschädigt.

Der 30-jährige Krieg 1618-1648

Merode und die Herrschaft 1644
Merode und die Herrschaft 1644

Am 11. April 1644 überfallen Hessische Truppen die in Merode und Schlich im Nachtquartier liegenden Lothringer, brennen die Dörfer nieder und rauben zwei Feldgeschütze. Die Lothringer werden nach Merode zurückgedrängt und mit den Geschützen in Schach gehalten.
Vom Aufbauwillen der Meroder Bevölkerung zeugt noch heute in der Schloßstraße die Inschrift am Haus Nr. 58. Drei Jahre nach der Katastrophe, noch vor Ende des Dreißigjährigen Krieges, wird das Fachwerkhaus wieder aufgerichtet. Aber auch mit dem Frieden von Münster ist der Durchzug der Truppen nicht zu Ende. Im Januar des Jahres 1650 plündern lothringische Truppen das Meroder Kloster Schwarzenbroich. Sie „entfuhren“ Vieh und Waren im Wert von 2961 Reichsthalern, u.a. Kühe, Schweine, Wein und Bier.

 

Der Türsturz des restaurierten Hofes, Schloßstraße 58, heute.

Die Inschrift lautet : ANNO 1647 DEN 29 MAY

1679, 5. Februar - Friede von Nimwegen

Das Franzosenkreuz
Das Franzosenkreuz

Frankreich, Schweden und das Heilige Römische Reich schließen Frieden. Frankreich bekommt verschiedene Gebiete zu beiden Rheinseiten zugesprochen. Dessen Truppen treiben im Dürener Land Kriegsentschädigungen ein. Wütende Bauern verfolgen einen Französischen Offizier. Als sie ihn hinter der Laufenburg erreichen, erschlagen sie ihn. Am 14. Dezember, zehn Monate nach dem Frieden von Nimwegen, verlassen die Franzosen das Dürener Land. An den Mord erinnert heute noch das Franzosenkreuz im Meroder Wald.

 

Inschrift des Kreuzes:

+

Anno 1679 ist alhier ein französischer Offizier ermodert und begraben

(...)

1794, 2. Oktober - Frankreichs Große Revolution

Im ersten Koalitionskrieg können französische Revolutionstruppen trotz heftiger Gegenwehr die Rur überqueren und die Österreicher besiegen. Die Herrschaft wird nun für 20 Jahre zu Frankreich gehören. Die Franzosen schaffen die Lehnsherrschaft ab und führen Bürgerrechte ein, legen Bevölkerungslisten und Kataster an. Aus der Herrschaft Merode wird die Mairie Echtz. Aber die Franzosen erheben auch Steuern und ziehen junge Männer zum Militärdienst ein. 1812 müssen fünf junge Männer aus der Herrschaft mit Napoleon in den Russlandfeldzug: Wilhelm Joseph Beer und Mathias Quast aus Merode, Bartholomäus Gottschalck, Andreas Hourtz und Andreas Merkens aus Schlich. Alle fünf fallen in Russland.

1816 - Die Preußen kommen

Im Zuge der Befreiungskriege wird Merode 1816 preußisch. Aus der Mairie wird die Bürgermeisterei, 1927 schließlich das Amt Echtz. Das Gebiet bleibt aber immer noch das der Herrschaft Merode – und bis heute zu wird es im Volksmund so genannt.

1944, im Herbst - Der Untergang

Der Weltkrieg tobt bereits 5 Jahre, ehe er 1944 auf Deutschland zurück fällt. Die Schlacht um Merode ist Teil der größten Schlacht auf deutschem Boden, der Schlacht im Hürtgenwald.
Ab September 1944 gerät Merode massiv unter Artilleriebeschuss. Die Amerikaner greifen an, während die Deutschen deren Ausbruch aus dem Wald und den Vormarsch auf Düren verhindern wollen. Die mittelalterlich-strategische Bedeutung wird dem Ort nun zum  Verhängnis. Es kommt zu einem monatelangen unerbittlichen Ringen. Oftmals kämpfen die Soldaten Mann gegen Mann, ob im Wald oder im Dorf. Am Morgen des 16. November wird Merode und Umgebung schwer bombardiert. Allein am 29. November verlieren die Amerikaner in Merode zwei Kompanien Infanterie und je einen Panzer- und Panzerjägerzug, insgesamt über 350 Mann. Am Abend des 11. Dezember ist Merode gefallen. Am 23. Februar 1945 ziehen die Amerikaner weiter Richtung Osten. Insgesamt drei Monate brauchten die Amerikaner um Merode einzunehmen. Dabei ist Merode eines von nur zwei Dörfern in Deutschland, das die Deutschen nach amerikanischer Eroberung zwischenzeitlich zurückerobern. Über 25.000 Bomben und Granaten wurden von deutschen und amerikanischen Kräften auf das kleine Dorf geschossen. Beide Kriegsparteien haben beim Kampf um Merode zusammen ca. 3.000 Soldaten als Verlust zu melden. Nach der Schlacht ist der Ort zu 95% zerstört. Das Schloß ist eine Ruine und viele markante, dorftypische Gebäude sind dem Erdboden gleichgemacht. Unzählige Leichen gefallener Soldaten und von Zivilisten bleiben unbeerdigt zurück.

Bilder der amerikanischen Luftaufklärung:

Links von vor dem Krieg

Rechts vom 30.11.1944

1945 - Tauwetter

Ende März 1945 kehren die ersten Evakuierten heim und beginnen mit dem Wiederaufbau. Im Sommer 1945 wird auf Initiative von Lehrer Josef Gerhards damit begonnen die in den Feldern und Wäldern gefallenen Soldaten am Marienbildchen zu bestatten. Noch 2011 erfolgen Zubettungen zuvor gefundener gefallener Soldaten. Schon 1947/48 erwacht das gesellschaftliche Leben. Die Maigesellschaft Merode veranstaltet nach 9 Jahren Zwangspause wieder ein Maifest im Saal Broichgans. 1968 gründet sich der Club 48, der Ehemaligenverein der Maigesellschaft. Als Reaktion auf die triste Nachkriegszeit entscheidet sich Anfang der 1950er Jahre der damalige Bürgermeister Peter Hourtz dazu eine  Rotdornallee entlang der Kreuzherrenstraße und des Handorns zu pflanzen. Ende der 1990er Jahre bis 2012 werden sie krankheitsbedingt gefällt und durch Zieräpfelbäume ersetzt. Das Schloss wird bis in die 1990er Jahre wieder aufgebaut. Dabei werden der Marschallflügel und der Nordwestturm gesprengt und bleiben geschliffen. Seit dem Großbrand in 2000 werden die bestehenden Gebäude erneut renoviert, diesmal werden aber auch Kriegsschäden beseitigt und die Architektur des Schlosses von vor dem Krieg wiederhergestellt. Der Förderverein Schloß Merode wird gegründet. 1972 wird das Amt Echtz aufgelöst und das alte Gebiet der Herrschaft Merode auseinander gerissen. Damit gehen 800 Jahre gemeinsame Geschichte politisch gewollt zu Ende. Echtz und Konzendorf werden in die Stadt Düren, Merode und die übrigen Dörfer der Herrschaft in die Gemeinde Langerwehe eingegliedert. 1974 lädt der Fürst von Merode anlässlich des 800-jährigen Bestehens von Schloß und Herrschaft zu einem großen Fest im Schloßpark. Es gründet sich die Bläservereinigung.

 

2010 gründet sich die Dorfgemeinschaft Merode e.V. um die Zukunft des Dorfes selbst zu gestalten. Ein Jahr später erhält Merode den 1. Preis des Kreiswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ und darf sich fortan Golddorf nennen.

 

 

Impressum dieses Überblicks

Texte:

 

Albert Trostorf, Ortsvorsteher & langjähriger Ortshistoriker

Michael Krieger, Archivar Geschichtsverein Herrschaft Merode e.V.

 

Mit freundlicher Unterstützung: Prof. Dr. Johannes Heinrichs, Professor für Altertumskunde,

Universität zu Köln

 
Erstellt in / Stand von  2012 // dazugehörige Infotafel Auf dem Handorn